Messnetz
Um Erdbeben und andere Erschütterungen in und außerhalb Österreichs zu registrieren, betreibt der Österreichische Erdbebendienst ein seismisches Messnetz. Dieses ist eingegliedert in ein globales Messnetz, um schnell und zuverlässig Erdbeben weltweit erfassen zu können.
Je nach Zweck der Erdbebenerfassung werden verschiedene Systeme eingesetzt
- Breitband-Stationen (für die Erfassung von Nah- und Fernbeben)
- Strong-Motion-Stationen (zur Registrierung von starken Bodenbewegungen im Epizentralbereich)
Breitband-Stationen
Breitband-Seismometer zeichnen Bodenbewegungen im Nanometerbereich auf, und sind somit die höchstempfindlichen Erdbeben-Messgeräte. Sie zeichnen ein breites Spektrum an Bodenschwingungen unverzerrt auf. Daher eignen sich für diese Messgeräte nur Standorte, an denen die Bodenunruhe sehr gering ist, denn sowohl natürliche als auch künstliche Störquellen (Wind, Wasserläufe, Industrieanlagen, Verkehrswege, etc.) dürfen den Betrieb nicht beeinträchtigen. Die Errichtung von Breitband-Stationen ist sehr aufwendig - sie erfordert die Herstellung einer aufwendigen Infrastruktur (unterbrechungsfreie Energieversorgung, Blitzschutz, Datenverbindung, Absicherung, etc.) und den Einsatz erheblicher finanzieller Mittel für die Instrumentierung.
Strong-Motion-Stationen

Dieser Typ von Erdbebenstation dient hauptsächlich dazu, sehr starke Bodenbewegungen aufzuzeichnen, um deren Zusammenhang mit möglichen Bauschäden feststellen zu können. Außerdem eignen sich die Daten zur Bestimmung der Verstärkungseffekte, die durch die Beschaffenheit des Untergrundes (Sedimente, Grundwasserspiegel, etc.) hervorgerufen werden können. Aus diesem Grund sind in Wien seit 1992/1993 sechs Strong-Motion Geräte in Betrieb, die zur Untersuchung der Auswirkungen der lokalen Untergrundverhältnisse auf die Erschütterungsintensität verwendet werden.
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Das seismische Messnetz des Österreichischen Erdbebendienstes
An über 60 Standorten verteilt über ganz Österreich betreibt die GeoSphere Austria Messstationen (Breitband-Seismometer) zur Erfassung der Bodenbewegung. Um Erdbeben mit hoher Genauigkeit im Nah- als auch im Fernebreich verorten zu können, sind an ungestörten Orten hochempfindliche Seismometer aufgestellt. Zusätzlich werden in Städten Messgeräte eingesetzt, um bei stärkeren Bebenereignissen die Auswirkungen auf die Bevölkerung zu dokumentieren.

Zur Untersuchungen der Auswirkungen der lokalen Untergrundverhältnisse auf die Erschütterungsintensität wurden an ausgewählten Standorten zusätzlich Strong-Motion-Geräre installiert. Abgesehen von Wien befinden sich weitere Geräte auch in Wiener Neustadt, in Feldkirch, Sankt Anton, Namlos, Innsbruck, Fulpmes, Zell am Ziller, Schmirn, am Sonnblick, in Kötschach-Mauthen, Gurk, Klagenfurt, auf der Koralpe, in Leoben, Kindberg, Schwadorf, Obdach, Admont, Pregarten, und in Ollern.
Warum gibt es ein Erdbeben - Messnetz in Österreich?
Erdbeben sind in Österreich nicht so selten, wie man oft glauben will. Das schwerste Beben, das Österreich im 20. Jahrhundert erschütterte, war jenes am Abend des 8. Oktobers 1927 in Schwadorf im Wiener Becken mit einer Epizentralintensität von 8°. Das Beben verursachte schwere Gebäudeschäden. Die folgende Beschreibung bietet einen Überblick über das damalige Schadensausmaß: “sämtliche Häuser beschädigt, Schulen, Pfarrhof, Haus Nr.32/33 (Gendarmerie), Kindergarten, Gemeindegasthaus und zehn weitere Gebäude teilweise irreparabel baufällig; beide Schornsteine und der Wasserturm der Baumwollspinnfabrik müssen abgetragen werden”. Aber auch Nachbarorte, wie Enzersdorf an der Fischa, waren betroffen: “Oberes Ortsende, Richtung Schwadorf, ist ein Trümmerhaufen. Schornsteine, Dächer, ganze Häuser müssen abgetragen werden, jedes Haus zeigt deutliche Spuren des heftigen Erdbebens, sogar massive Neubauten weisen Sprünge an Decken und Wänden auf”.
Das jüngste stärkere Erdbeben ereignete sich am Sonntagvormittag des 16. April 1972 in Seebenstein/Niederösterreich im südlichen Teil des Wiener Beckens mit einer Intensität 7-8°. Die Folgen waren bis Wien spürbar, wo die Feuerwehr zu über 800 Einsätzen gerufen wurde. Damals stürzten Teile der Balustrade der Wiener Universität herab und viele Rauchfänge in Wien wurden beschädigt.


Um mögliche Bauschäden durch Erdbeben in Österreich zu reduzieren, wurde die ÖNORM EN 1998-1 für das Bauwesen eingeführt. ## Kooperationen mit Erdbebendiensten im Ausland
Kooperationen mit Diensten im Ausland
Da Erdbeben „keine Grenzen kennen“, hat die GeoSphere Austria Übereinkommen mit den Erdbebendiensten der Nachbarländer zwecks Datenaustausch abgeschlossen. Damit stehen dem Erdbebendienst weitere Daten von Erdbebenstationen im Ausland zur Verfügung, wodurch sich zwar der Auswertungsaufwand wesentlich erhöht hat, jedoch wurde erst dadurch die notwendige Genauigkeit bei der Bestimmung von Epizentren erreicht. Das Messnetz Österreichs ist damit Teil eines europäischen seismischen Messnetzes geworden und liefert Daten an alle Weltdatenzentren. Natürlich stehen die Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zur Verfügung, sie werden sehr intensiv von in- und ausländischen Forschungsinstitutionen genützt.
